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Muss eine sinnvolle und beliebte Veranstaltung wie die "Hamburger Lesetage" in den Händen eines Konzerns liegen, der mit seinen Aktivitäten die Gesundheit aller bedroht?...

Das haben wir uns Jahre lang gefragt - Und wurden aktiv. Erstmals im Kleinen mit öffentlichen Protestaktionen 2010 und mit vielen Lesungen 2011.

Energiekonzern Vattenfall beendet "Vattenfall Lesetage". Ein Gewinn für die Demokratie

Als wir die Idee im Januar 2010 unter den besetzten Bäumen im Gählerpark hatten, als es darum ging, die Fernwärmeleitung vom damals im Bau befindlichen Kohlekraftwerk zu verhindern, hätten wir *nicht gedacht, dass wir so schnell am Ziel sein und Vattenfall sein Propagandainstrument aus der Hand nehmen könnten.* Die Fernwärmeleitung selber war ja auch so ein "Greenwashing"-Versuch. Sie sollte ablenken von der dreckigen Basis dieser angeblich ökologisch sinnvollen Nutzung der Abwärme. Und selbst das stimmte ja so nicht. Im ersten Jahr, 2010 haben wir nur eine kleine Aktion gemacht unter anderem mit einer Lesung vor dem Vattenfall Kundenzentrum, damals noch in der Spitaler Straße. Und bereits die löste nervöse Reaktionen aus. Und 2011, als es dann richtig losging mit "Lesetage selber machen - Vattenfall Tschüss sagen", ...*Zunächst mal ein dickes Dankeschön an alle die, die sich damals getraut haben, in irgendeiner Form mitzumachen, sei es als Künstlerin oder Künstler oder als Raumgebende. Zu beidem gehörte Mut.* Andere, die ihn nicht hatten, befürchteten, sie würden es hinterher irgendwie negativ zu spüren zu bekommen, wenn sie sich mit kulturellen Aktionen fürs Klima und fürs politische Klima in dieser Stadt engagierten.

In den vergangenen Wochen um den Tag des Volksentscheids herum haben wir uns aber schon gefragt, ob Vattenfall seine Lesetage fortführen wird, sollten wir den Volksentscheid gewonnen haben. Und jetzt nach dem 22. 9. ging uns das mehrfach durch den Kopf, zumal Vattenfall ja auch insgesamt immer häufiger laut darüber nachdenkt, das Deutschland-Geschäft aufzugeben.

Warum ein Gewinn für die Demokratie? Mit so einem "Geschenk", wie die beiden zuständigen Senatorinnen die Lesetage des Energiekonzerns genannt haben, sind ja Absichten verbunden, Absichten, den Beschenkten eine Beißhemmung zu verpassen, sie gnädig zu stimmen. Und das halten wir für falsch. Und jemand, der wie Vattenfall Deutschland wegen des - demokratisch beschlossenen - Atomausstiegs mit einer Milliardenklage überzieht, ist doch alles andere als ein honoriger Sponsor, von dem man ein "Geschenk" annimmt.

Wer sich dann noch ein bisschen mit der Lausitz vertraut macht, dort, wo Vattenfall für seine (Braun)Kohle ganze Landstriche vernichtet samt der darin liegenden Dörfern mit ihren Kulturgütern und der Basis der sorbischen Kultur, wer also mitbekommt, was Vattenfall in der Lausitz anrichtet, zweifelt\\ einerseits, dass es Vattenfall überhaupt um Kultur gegangen ist und kann auch erfahren, wie Vattenfall dort versucht durch gezieltes Sponsoring, sich eine ganze Region gefügig zu machen. Das war gerade in den vergangenen Monaten anlässlich eines Vattenfall-Antrags für einen neuen Tagebau sehr gut zu beobachten. In der Lausitz gibt es Vattenfall (Vattenfall Europe Mining, VE-M) auch ganz offiziell zu Protokoll: "VE-M erklärt, dass für eine Unterstützung mittels Sponsoring die Bereitschaft des Empfängers zur Zusammenarbeit erwartet wird." (aus einem Aktenvermerk der Stadtverwaltung Welzow über eine Sitzung in der südbrandenburgischen Kleinstadt am Rande des großen Tagebaus Welzow Süd vom Oktober 2010, an der ein hochrangiger Vertreter von VE-M teilnahm.) Erwartet wird konkret: keine Kritik an Vattenfall von den gesponserten Vereinen.

Deswegen Vorsicht vor Konzernsponsoring, nicht nur von Vattenfall, sondern wohl auch insgesamt. Kulturförderung ist eine öffentliche Aufgabe. Wir müssen alle zusammen darauf achten, dass keine großen Lücken entstehen, in die Großunternehmen mit ihren Summen hineinstoßen können. Wir wollen keine gesponserte Republik, denn so eine Republik ist keine mehr.

Wir glauben, Vattenfalls Entscheidung, die "Vattenfall Lesetage" aufzugeben, setzt viel Kreativität frei und ist eine große Bestätigung und Ermutigung für die kulturelle Unterstützung von (umwelt-)politischem Engagement.

Mit sonnigem Gruß

Astrid Matthiae und Angela Banerjee "Lesetage selber machen - Vattenfall Tschüss sagen"


Wo „...- Vattenfall Tschüss sagen“ drauf steht, ist auch „...- Vattenfall Tschüss sagen“ drin.

„Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen“ gibt es, weil die InitiatorInnen dieser Aktion die Glaubwürdigkeitslücke nicht mehr ertragen konnten, die sich auftut zwischen einem durchaus akzeptablen Lesefestival, den Vattenfall Lesetagen, und dem unverantwortlichen Kerngeschäft des Energieriesen. Mehr


DESERTEC: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah

Wir stehen für eine dezentrale und demokratische Energiewende und halten es mit verstorbenen Hermann Scheer, Präsident von EUROSOLAR, der im Juni 2009 erklärte, warum er dieses Vorhaben ablehnte: Mehr


NDR steigt bei "Vattenfall Lesetagen" aus

Toller Erfolg:

Die Hamburger Morgenpost (MOPO) berichtet heute, dass der NDR die Medienpartnerschaft mit Vattenfall hinsichtlich der Vattenfall Lesetage gekündigt hat. Mehr


Offener Brief an den NDR

Hamburg, 4.4.2011

Sehr geehrte Frau Eisenführ, sehr geehrter Herr Marmor,

der NDR ist mit den Programmen NDR 90,3 und dem Hamburg-Journal wieder Medienpartner des Vattenfall-Konzerns für die „Vattenfall Lesetage“. Im letzten Jahr gab es bereits Protest gegen die 90,3-Partnerschaft von Seiten der Initiative „Moorburgtrasse stoppen“. Dass in diesem Jahr das Fernsehformat „Hamburg-Journal“ als Vattenfall-Medienpartner hinzugekommen ist, empfinden wir als äußerst befremdlich. Mehr


„Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen“ bedankt sich beim RaS-Netzwerk

Was haben wir da eigentlich gemacht?

Zunächst mal ein dickes Dankeschön an alle Initiativen und Einzelpersonen aus dem Netzwerk Recht auf Stadt, die uns engagiert und kompetent bei der Verwirklichung der Idee „Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen“ unterstützt haben. Mehr


Aufruf an die Schulen

„Lesetage selber machen – Vattenfall Tschüss sagen“ geht in die zweite Runde

Unser Vattenfall-kritisches Lesefestival wird von Mittwoch, den 18.4. bis Freitag, den 27.4.2012 stattfinden.

Wir würden uns freuen, wenn Ihre Schule (wieder) mit dabei wäre. Mehr


Beschluss der GEW

Antrag des Ausschusses für Friedenserziehung

Die LVV hat beschlossen (einstimmig):

Die GEW-Hamburg empfiehlt ihren Mitgliedern in allen Bildungseinrichtungen der Stadt, insbesondere in Schulen, Kitas und Stadtteilzentren, in Zukunft vom Energiekonzern Vattenfall organisierte und gesponserte Veranstaltungen bzw. entsprechende Projekte nicht mehr zu unterstützen. Dies gilt u.a. für die alljährlich im April stattfindenden Vattenfall- Lesetage sowie den Vattenfall Schulcup, ein Radsportwettbewerb an Hamburger Schulen. Mehr